Über das Lesen

Also ich sehe das so: Wenn Sie ein hervorragender Fußballer werden wollen, müssen Sie Fußball spielen, den ganzen Tag, jeden Tag. Wie ein Bekloppter. Ihre Freunde werden mit den Köpfen schütteln, aber das ist Ihnen bald schon egal. Weil Sie Wichtigeres zu tun haben, als sich um deren Köpfe zu kümmern. Nämlich:

Sie schauen sich, wenn Sie nicht gerade selbst das Leder durch den Innenhof kicken, an, wie die Legenden vor Ihnen gespielt haben. Und was genau es ist, das sie anders machen als der Durchschnittsspieler. Sie werden analysieren, an der Großartigkeit Ihrer Idole verzweifeln, neuen Mut schöpfen und dann … weiterspielen.

Und irgendwann werden Sie vielleicht ein paar Tricks draufhaben, die denen Ihrer Idole durchaus ebenbürtig sind, vielleicht sogar besser.

Spätestens dann werden Sie sich vielleicht fragen: »Kann ich das nicht mindestens genauso gut?«

Merken Sie sich diesen Gedanken. Es ist ein wichtiger Antrieb für viele ambitionierte Menschen, und es hat in den seltensten Fällen etwas mit einem übersteigerten Ego zu tun. Zumindest nicht, wenn Sie diesen Gedanken für sich behalten, und das sollten Sie. Wer mit so etwas hausieren geht, wird bestenfalls belächelt werden. Weil die Leute immer an Idole glauben wollen, früher ohnehin alles besser war und niemals einer so Fußball spielen wird wie Pelé.

Bis es einer tut.

Wenn Sie es nur lang genug durchziehen, könnten Sie durchaus feststellen, dass Sie der- oder diejenige sind und irgendwann mindestens genauso gut spielen wie die Großen. Vielleicht sogar besser.

So viel zum Fußball.

Und wenn Sie ein einigermaßen passabler Schriftsteller werden wollen? Na raten Sie mal! Sie tun natürlich genau dasselbe.

Lesen Sie, ständig und alles, was Ihnen in die Finger kommt! Jeden verdammten Tag. Das Schöne hierbei ist, im Gegensatz zum Fußball oder dem Erlernen eines Instruments, Sie können das Lesen ganz nebenbei machen. Und auch noch Zeit dabei sparen. Dazu gibt es beispielsweise Hörbücher. (Ich höre sie bevorzugt mit 1,5-facher Geschwindigkeit, dann schaffe ich nämlich mehr.) Und das alles während Sie joggen, Auto fahren, abwaschen oder den Müll rausbringen. Versuchen Sie das mal als angehender Fußballstar!

Wenn Ihnen die Stöpsel in den Ohren auf die Nerven gehen, schleppen Sie dennoch immer mindestens ein Buch mit sich herum. Das ist Ihnen zu schwer? Dann nehmen Sie doch gleich ein paar Tausend mit, auf Ihrem E-Reader zum Beispiel oder auf Ihrem Smartphone, das haben Sie doch sowieso ständig dabei. Jetzt haben Sie endlich mal einen vernünftigen Grund dafür, da ständig draufzugucken. Löschen Sie die blaue Prokrastinations-App und lesen Sie stattdessen. Im Wartezimmer, an der Bushaltestelle, wo und wann auch immer. Aber tun Sie’s!

Lesen ist das billigste Hobby der Welt. Gebrauchte Bücher gibt es kiloweise bei eBay oder in 1-€-Läden. Die Hausflure vieler Häuser stehen voll davon, zumindest hier in Leipzigs Südvorstadt.

Lesen Sie querbeet! Es gibt kein Buch, das man nicht lesen sollte. Selbst von den richtig schlechten kann man eine Menge lernen. Sei es eine gute Idee, die einen zu einer besseren Idee inspiriert. Oder einfach nur, wie man es besser nicht machen sollte. Und dass man von den guten Büchern jede Menge lernen kann, liegt auf der Hand. Nur bitte nicht verzweifeln, okay? Sie packen das auch, auf Ihre Weise. Niemand braucht einen zweiten Stephen King. Einer ist völlig ausreichend.

Finden Sie Ihren Stil! Im Rahmen meiner Autorenbetreuung bei Ideekarree habe ich einige meiner Kunden nach dem Geheimnis ihres Erfolgs gefragt. In diesem Zusammenhang äußerte eine Autorin, die inzwischen mehrere Millionen(!) selbst verlegter Liebesromane verkauft hat, sie lese überhaupt nicht, weil sie befürchte, dass das ihren Stil versauen würde.

Hm. Ihren was?

Für mich klingt das ein bisschen wie ein Musiker, der nie übt, weil er fürchtet, dass ihm dann sein »Ton« flöten geht. (Ton. Flöten geht. Haben Sie’s kapiert?) Im Ernst: Wie soll man einen eigenen Stil entwickeln können, wenn man so etwas nicht bei anderen Autoren zu schätzen weiß?

Das begreife ich nicht.

Verstehen Sie Ihre Leser! Ich weiß nicht, wie’s Ihnen geht, aber ich wüsste nicht, wie ich echten Kontakt zu meinen Lesern aufbauen sollte, wenn ich selbst nicht lesen würde. Wie sollte ich mich denn dann in Ihre Bedürfnisse hineinversetzen? Wie sollte ich die Freude am Lesen spüren und nachvollziehen können, wenn ich mir dieses Vergnügen nicht selbst gönne? Und vor allem: Wie sollte ich jemals besser werden, wenn nicht durch Lesen?

Haben Sie Vorbilder! Kennen Sie einen Musiker, der etwas taugt und selbst keine Musik hört und jede Menge Vorbilder hat, deren Stil er in- und auswendig kennt und analysiert hat? Nein? Ich auch nicht. Oh, und Lil Wayne ist übrigens keine gültige Antwort auf diese Frage. Weil: https://www.youtube.com/watch?v=3Jf9-VyXEKE

Aber vor allem denke ich mir eines: Ich würde niemals freiwillig auf so ein grandioses Hobby wie Lesen verzichten. Nicht mal, wenn die Deadline naht. Ich bin doch nicht blöd!

Was meinen Sie zum Thema “Lesen als Autor”?


Posted in Allgemein, Blog and tagged , , , , , .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.