SCHREIBTOOLS, Folge 7: Zum Diktat, bitte!

Wie erwähnt, habe ich mich mal eine Zeit lang mit einer Sehnenscheidenentzündung herumgeplagt. So etwas sollte man keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen, sondern es vernünftig ausheilen lassen. Das heißt, absolute Ruhe für die betreffende Hand.

Und das war’s dann mit der Deadline.

Oder?

Naja. Es gibt natürlich auch dafür eine Alternative oder vielmehr zwei.

Alternative 1: Spracherkennungssoftware. Das Ganze funktioniert so: Sie sprechen in ein Mikrofon und der Computer macht daraus einen Text. Wenn Sie »Anführungszeichen« sagen, setzt er die Dinger. Oder einen Punkt oder einen Zeilenumbruch, und den Text dazwischen sowieso. Das klingt toll, oder?

Ja, aber lesen Sie erst mal weiter.

»Schreiben« wie der Blitz. Der Vorteil ist, dass Sie damit unwahrscheinlich schnell Text generieren können, da die meisten Menschen viel schneller sprechen als schreiben können.

Aber es gibt auch ein paar Nachteile.

Fehler und Ablenkung. Der erste ist, dass ich bisher noch keine Software gefunden habe, die auf Anhieb mein Gebrummel in einen annähernd fehlerlosen Text umsetzen konnte. Und damit meine ich keine Tipp- oder Rechtschreibfehler, sondern dass der Computer manchmal einfach die völlig falschen Wörter versteht. Leider (für meinen Geschmack) noch ein bisschen zu oft. Wenn ich mir das nachher anschaue, ergibt es oft gar keinen Sinn mehr und ich verbringe in Phase 4 deutlich zu viel Zeit mit Nachdenken und Rätselraten.

Oder ich folge dem Text auf dem Bildschirm, während er erzeugt wird, damit diese Fehler gar nicht erst abgespeichert werden. Bloß funktioniert das noch viel weniger für mich. Ich sehe einen Fehler, bessere ihn aus und zack, schon ist mein Gehirn außer Tritt geraten. Eigentlich logisch, weil es sich ja einerseits schon mit dem nächsten Satz befassen soll, aber gleichzeitig noch den vorherigen auf Fehler prüft. So kann ich nicht arbeiten, sorry.

Erkenntnis: Das Ganze hat nur Sinn, wenn Sie es schaffen, zu sprechen und dabei nicht auf das zu achten, was der Computer daraus macht. Blöd nur, wenn die Software einfach mittendrin aufhört, mir zuzuhören, und gar nicht mehr mitschreibt. Hätte ich also den Bildschirm ausgeschaltet, um mich auf die Sätze in meinem Kopf zu konzentrieren, wäre ab diesem Punkt alles verloren gewesen. Alles!

Nicht so cool.

Lernphase. Die meisten ernst zu nehmenden Programme brauchen eine Weile, um sich auf Ihre Stimme und Betonung und Ihren Akzent oder Dialekt einzustellen. Dazu lesen Sie dann irgendwelche Texte vor und das Programm wertet diese aus. Angeblich soll diese Art von Programmen nach dieser Anlernphase sehr gut funktionieren und Sie bis zu über 99 % akkurat verstehen. Das einzige Programm, das meiner Erfahrung nach auch nur annähernd in diese Regionen vorstößt, heißt Dragon Dictation. Dazu gleich mehr.

Diktieren muss man erst mal lernen. Versuchen Sie mal, aus dem Kopf ein paar »romanartige Sätze« zu formulieren und diese laut auszusprechen. Gar nicht so einfach, wie? Diktieren kann man natürlich lernen, bis in die Achtziger hinein war das eine Grundfertigkeit eines jeden Chefs mit einer Sekretärin. Frau Müller, bitte zum Diktat! Aber auch das braucht seine Zeit. Die sollten Sie einplanen.

Im Zweifelsfalle lassen Sie es einfach mal auf einen Versuch ankommen. Mir bekannte Spracherkennungsprogramme sind:

  • Spracherkennung des MacBooks. im aktuellen OS enthalten
  • Spracherkennung von Microsoft. Im aktuellen Windows OS enthalten
  • Dragon Naturally Speaking. Die derzeit aktuelle Version heißt Version 13 Premium. Die Software ist kostenpflichtig, und schlägt derzeit mit etwa 150 € zu Buche. Link: http://bit.ly/2s78bRy
  • Eine Variante, die Sie derzeit für eine Woche kostenlos probieren können, ist die App fürs Handy namens Dragon Anywhere. Sie finden Sie in Ihrem Appstore.
  • Spracheingabe in Google Docs. Kostenlos, aber nur in dem Browser Chrome verfügbar, und Sie müssen Ihren Text in ein Google-Dokument schreiben. Das ist die kostenlose Office-Lösung von Google in deren Cloud. Kein Problem, das müssen Sie dann nur nachher in Ihr »richtiges« Schreibprogramm kopieren. Noch ein kleiner Nachteil: Das Internet muss währenddessen ständig an sein. Vorsicht, Ablenkungsgefahr!

Alternative Möglichkeiten

Es gibt noch eine Möglichkeit, und die bewahrt Sie vor einer Menge Probleme, die Ihnen im Umgang mit der Spracherkennungssoftware möglicherweise begegnen werden. Allerdings dürften Sie schwerlich jemanden finden, der das kostenlos für Sie erledigt. Deutlich sprechen müssen Sie trotzdem und vor allem: Vernünftige Sätze formulieren. Der Vorteil ist hier, dass Sie in den meisten Fällen gleich eine zumindest grobe Rechtschreibprüfung mit dazu bekommen. Die Sie in diesem Stadium zwar eigentlich noch nicht brauchen (grober Erstentwurf), aber es schadet bestimmt auch nichts.

Ich meine einen Diktatservice.

Dahinter verbergen sich Menschen, die sehr schnell und präzise tippen können, und zwar das, was Sie vorher auf irgendein Speichermedium gesprochen haben. Zum Beispiel ein Diktiergerät, aber ich persönlich würde mir ein USB-Mikrofon kaufen und das Ganze direkt in den PC diktieren. Software, mit der Sie das Gesprochene aufnehmen und ein bisschen bearbeiten können, finden Sie ebenfalls kostenlos im Internet. Dann wandeln Sie das Ganze in ein MP3 um und senden es per Mail oder Speicherstick an den Diktatservice. In der Regel haben Sie ein paar Tage später den fertigen Text.

Link: http://www.audacityteam.org (ein einfaches, kostenloses Audiobearbeitungsprogramm)

Fazit: Wenn Sie Ihr erstes bis fünftes Buch schreiben, belassen Sie es erstmal mit der klassischen Methode „Finger auf Taste“. Die Effizienz Ihres Schreibverfahrens können Sie auch später noch steigern.

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